PKW-Anreise ohne vorherige Buchungen (Nachtrag: außer auf Pellworm)
Von Süd nach Nord
27.02.2017 15:35 Uhr
Seit 08:00 Uhr unterwegs und nach zwei kleinen Stopps zum Auftanken und Wasser lassen sind wir nun in Husum angekommen. Wir legen eine größere Pause ein, sitzen im Coffee Lattino und schleckern
eine heiße Schokolade und ein Raffaelo flüssig. Mmmmh, ist das lecker hier im kleinen, urigen Café, mit seinen witzig gestalteten Details. Es ist noch Zeit, bevor die Fähre nach Pellworm ablegt.
Ahoi!
Pellworm bei Nacht
27.02.2017 19:30 Uhr
Die Fähre legt an. Aufgeregt verfolgen wir den Ablauf und warten ungeduldig aber artig, in der kurzen Blechschlange auf das grüne Licht. Es geht los. Der Einweiser lotst uns zu unserem
Abstellplatz. Mittlerweile ist es dunkel und wir sehen um uns herum...NICHTS. Nach der ca. 40 minütigen Überfahrt zu Wasser geht es weiter, mit dem Auto, an Land, in eine stockdunkle verregnete
Nacht - bis wir das Hotel am Kaydeich 17 nach 10 Minuten erreichen. Schönes großes Zimmer, einladendes Doppelbett - hier schreibt man GEMÜTLICHKEIT groß.
Jetzt schnell wieder zurück zum Tammensiel, bevor die Bordsteine hochgeklappt werden. Der Magen knurrt laut und hängt in den Kniekehlen. Wir kehren ein im Pannkokenhus und freuen uns über all die
freundlichen Menschen. Naja, begegnet sind uns nur 6 Menschen, einschließlich Hotelwirt, aber dafür haben wir schon viel über Pellworm erfahren. Es gibt nur einen Polizisten auf der Insel und der
hat nur ein Privat-Auto. Wir möchten gern Anzeige erstatten - uns ist ein großer Hase, mit möglicherweise konkreten Absichten einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen, auf der Straße begegnet.
Total aufregend hier, also dann mal "Gute Nacht!"
Pellworm bei Tag
28.02.2017 10:00 Uhr
Nach einem oppulenten Frühstück (Anmerkung: wir sind die einzige Gäste im Hotel am Meer, da Nebensaison), rollen wir erst zum Auto und dann mit dem Auto nach Tammensiel.
Dort befindet sich die Schutzstation Wattenmeer, die zur Fütterung ihrer Aquarientiere einlädt und Wissenswertes über die Unterwasserwelt der Nordsee und das Watt preisgibt. Mit neuen
Erkenntnissen im Rucksack erkunden wir die Insel. Im Tageslicht sieht ja alles etwas anders aus. Das Wetter wechselt halbstündlich von Sturm und Regen zu Sturm und Sonnenschein. Es fühlt sich wie
eine Wechseldusche an - nur das stetig der Haartrockner auf höchster Stufe in Betrieb ist.
Leuchtfeuer
27.02.2017 14:00 Uhr
Beim Frühstück hat uns die Hotelwirtin zu einem Rundgang im berühmten Leuchtturm auf Pellworm im nordfriesischen Wattenmeer eingeladen. Das freundliche Angebot haben wir natürlich nicht abgelehnt
- wer kann da schon nein sagen!? Wie verabredet werden wir durch 9 verschiedene Decks gelotst und erfahren ganz viele Informationen zum 1907 gebauten, fast 42 Meter hohen und noch aktiven
Leuchtturm. Beeindruckt stiefeln wir Stufe für Stufe immer höher, bis wir die 140. Stufe des 9. Decks erreichen.
>>Trommelwirbel<<
Hier befindet sich das Standesamt von Pellworm, das höchste übrigens im ganzen Norden. Und was macht man an so einem Ort normalerweise? Genau!
Heiraten im 7. Himmel
H. hat heimlich alles von langer Hand geplant und L. überrascht. Eine Treppe zum Glück. Eine Leuchtturmhochzeit. Um 14:34 Uhr erneuern wir vor Frau Pelzl unser Eheversprechen. Anschließend wird
eine Schiffsglocke 4 Mal im Doppelschlag geläutet und wir erhalten eine Urkunde bei einem kleinen Sektumtrunk. Hach, war das schön!
Liebe ist wie ein Leuchtturm, auch im stärksten Sturm leuchtet sie.
Kiek mol wedder in
01.03.2017 07:00 Uhr
Gestern Abend haben wir im Restaurant Unter den Linden gespeist. Eines von wenigen, welches gestern geöffnet hatte. Eine Fischplatte für zwei musste es sein. Man kann ja nicht ohne hier
Fisch gegessen zu haben wieder weg fahren. Das Restaurant sah von außen größer aus als es ist. Überrascht, dass nur 3 Tische mit je 4-6 Plätzen vorhanden sind, wurden wir zu einem älteren
Pärchen dazu gesetzt. Am Nebentisch saß ein weiteres älteres Ehepaar, der andere Tisch war reserviert.
Das Essen war sehr lecker, die Chefin bedient und kocht selbst. Insgesamt ein interessanter Abend, da das eine Pärchen dem anderen Pärchen auf eine lustige Art ganz viele Dinge erzählt hat. Übers
Reisen, über andere Inseln, über Berlin, den Ruhrpott und das Wetter auf Pellworm. Dazwischen saßen wir und wir hatten viel zu lachen.
Doch heute heißt es Abschied nehmen, unser Abenteuer geht weiter. Packen, frühstücken und ab die Post. Vielleicht kommen wir wieder - wenn man mehr Sonnenstrahlen als Regentropfen zählen kann.
End of road
01.03.2017 14:00 Uhr
Und plötzlich ist die Straße zu Ende - blödes Navi, hättest uns doch irgendwie vorwarnen können. Aber fangen wir von vorne an.
Nach dem Übersetzen mit der Pellworm-Fähre auf das Festland fuhren wir mithilfe der Navigon-App in Richtung Kopenhagen. Nach dem unspektakulären Grenzübergang zu Dänemark fuhren wir immer weiter
und weiter - bis es nicht mehr weiter ging. Zumindest nicht mehr mit dem Auto auf einer Straße. Hier geht es nur über das Wasser, hurra. Für 214 Dänische Kronen dürfen wir mitsamt Fahrzeug die
Fähre benutzen. Die kommt allerdings erst in einer guten Stunde.
Die Augen werden ganz groß, als die Fähre endlich um die Ecke guckt. Das ist ja fast ein kleines Kreuzfahrtschiff, wow. Es geht los und die Aufregung ist groß. Velkommen til Danmark!
Die Unterkunft
01.03.2017 17:30 Uhr
In Kopenhagen ist der Teufel los - falls der Deiwel überhaupt Fahrrad fahren kann. Denn zwischen all denn Autos schießt ständig ein Fahrradfahrer ums Eck. Sogar die Fußgängerwege sind mit
Drahteseln zugepflastert. Nun ja, radeln bei nur 5 Grad ist nicht so ganz unser Ding. Wir hatten eine günstige Adresse mitten im Zentrum aus dem Internet: das Hotel Generator. Der Name ist
Programm, denn wir müssen vor Ort feststellen, dass es sich hierbei um so etwas wie eine Jugendherberge handelt. Nein, wir wollen kein 6-Bett-Zimmer. Ja, wir nehmen ein Privatzimmer. Was ist denn
hier los?
Das Zimmer ist klein und zweckmäßig eingerichtet und wir haben ein eigenes Bad mit Duschvorrichtung neben dem Waschbecken und hinter einem bunten Vorhang, prima. Ein Antennenanschluss für ein
TV-Gerät ist vorhanden, aber der Fernseher nicht. Warte mal, im Fahrstuhl hing doch ein Zettel: Achtung! Zur Zeit sind in Kopenhagen viele "pickpockets" (Taschendiebe) unterwegs.
Die werden doch wohl nicht...
Geist
01.03.2017 18:30 Uhr
Hungrig marschieren wir durch die nasskalten Straßen. Wir achten penibel auf sämtliche Leuchtreklamen, um eine passende Futterstelle für uns zu finden. L. hat mal wieder eine gute Spürnase und so
landen wir im Geist. Reserviert haben wir nicht und wir wissen auch nicht, was uns erwartet. Doch unser Mut wurde belohnt und der Magen füllt und füllt sich. Wir können uns zwischen
verschiedenen kleinen Speisen entscheiden, die in englischer Sprache auf einer glückwunschgroßen Karte stehen. Empfehlung der netten Bedienung: die Auswahl von drei Tellern sollte reichen. Ja
genau, und anschließend gönnen wir uns noch ein Dessert, weil die Gerichte so klein ausfielen. Neben runden Tischen an den Randbereichen befindet sich im Zentrum des Raums die offene Küche, die
von einer Theke in U-Form eingerahmt ist. Wir sitzen an der Theke und schauen den wuselnden 6-7 Köchen bei der filigranen und gut koordinierten Arbeit zu. Das war mal was anderes und lecker
obendrein. Dafür aber teuer,
sehr, sehr teuer. Da bekommt das Wort Abenteuer eine ganz andere Bedeutung.
Kopenhagen - den lille havfrue
02.03.2017 11:30 Uhr
Die kleine Meerjungfrau schaut zu uns herüber. Man hört sie leise flüstern: nehmt mich mit, es ist so kalt hier. Darum schlendern wir schnell weiter, denn wer in Bewegung bleibt friert
nicht. Bei unseren planlosen Erkundungen stoßen wir auf eine gemütliche Gaststätte, die Smørrebrød anbietet, juchu. Endlich was zu kauen.
Malmö in Schweden
02.03.2017 15:00 Uhr
Wir sind weitergezogen und damit den Wolken am Himmel gefolgt. Erst durch einen Tunnel und dann mal wieder über eine ganz lange Brücke, die Öresundbrücke. Links und rechts und von oben nur Wasser
und plötzlich landen wir in Schweden und sind umgerechnet sage und schreibe 50 Euro leichter - wegen der Mautgebühr. Hier leuchtet ein Regenbogen am Himmel und der Polizist fragt recht freundlich
nach den Ausweisen. Välkommen till Sverige.
Wir schließen das Zimmer 102 im Teaterhotellet (das ist der Hotelname) auf und sind beruhigt. Nettes Zimmer mit TV und ausreichend Platz für die Koffer. Nur aus dem Bad strömt ein leicht
eigenartiger Geruch. Wir ermitteln den Übeltäter: ein großes Abflussgitter im Boden scheint ein paar Stinkmoleküle zu verteilen. Man muss halt nur die Badtür schließen, dann riecht man nichts
mehr.
Gemischtwetterabteilung
Es scheint, als hätte Petrus noch eine Rechnung mit uns offen. Als wir gemütlich in der Fußgängerzone von einem Schaufenster zum anderen flanieren, zieht er den Stöpsel aus seiner Badewanne. Na
und, noch ein paar Meter und wir sitzen im tollen, mit Ohrenstühlen und Holztischen eingerichteten Café-Bistro CONDECO und schlemmen eine Kleinigkeit. Hier kann man übrigens nur mit Karte
bezahlen.
Uns könnte es nicht besser gehen. Die Sonne scheint wieder, Zeit für weitere Abenteuer.
Und eines noch - wer lässt denn hier einfach so seine Schuhe stehen?
Weitere Impressionen von Malmö
Hej Göteborg
03.03.2017 10:00 - 17:00 Uhr
Gemütliches Frühstück mit selbst frisch gepresstem Orangensaft und der Tag kann starten. Damit keine Langeweile aufkommt, packen wir unsere sieben Sachen wieder zusammen und fahren weiter nach
Norden. Vor uns liegen 264 km. Wir wollen nach Göteborg reisen um dort zu shoppen. Ideen muss man haben!
Auf der Hälfte der Strecke halten wir kurz am Strand in Falkenberg. Dort hechten wir durch den Sand ans Meer, flüchten aber kurz darauf wieder zurück zum Auto. Wir haben vergessen unsere
Eskimo-Anzüge anzuziehen und Taschentücher für die laufenden Nasen und die fließenden Tränen einzupacken. Alter Schwede...
Als wir endlich Göteborg erreichen, parken wir unser Auto im Nordstan-Parkhaus und durchstreifen Geschäft für Geschäft nach interessanten Dingen. Nun ja, auch außerhalb der Shops gibt es nicht
wirklich Etwas, was sich in unseren Augen lohnt. Also freuen wir uns umso mehr auf das, was da noch kommt.
Stena Germanica
03.03.2017 18:45 Uhr
Es geht los, tschüss Göteborg.
Damit wir die 1111 km bis nach Hause nicht komplett mit dem Auto zurück legen müssen, haben wir uns was Feines ausgedacht. Wir lassen uns fahren! So einfach kann das sein.
Wir gleiten in den Bauch des Schiffs, schnappen unsere sieben Taschen und beziehen die gebuchte Innenbettkabine. Und wenn wir morgen früh die Augen aufmachen, legen wir in Kiel an und
haben quasi einen Quantensprung im Schlaf gemacht. Hei ist das spannend. Eine Kreuzfahrt mit dem Auto.
An Bord des Schiffs gibt es drei Restaurants, jede Menge Geld-Spielautomaten, einen großen Duty Free Shop und ganz viele hungrige Passagiere. Wir entscheiden uns gegen die lange Menschenschlange
am Büffet und gegen das Restaurant à la carte, da dort sowieso kein Tisch frei ist und entdecken ein Selbstbedienungscafé, in dem auch warmes Essen angeboten wird. Zufrieden ziehen wir uns in
unsere Kajüte 9931 auf Deck 9 zurück.
Skepp ohoj
Am Schwedenkai
04.03.2017 09:30 Uhr
Wir haben in Kiel angelegt, sitzen bereits in unserem Auto auf Deck 4 und warten auf grünes Licht. Vor uns stehen etliche Autos, die auch aus dem Schiffsbauch heraus wollen. Über 500 km
haben wir verschlafen und sprühen nun nur so vor Energie. Die Investition hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Von Nord nach Süd sind es jetzt noch knapp über 600 km. Wir sind unterwegs nach Hause.
Das war eine aufregende Städtereise, mit ganz vielen Überraschungen.
Unser Fazit: wenn man vorher fast nichts plant, kommt man auch mit dem Auto ganz schön in der Welt herum. Allerdings wäre ein Chauffeur um einiges angenehmer.
Und auch wenn wir in Schweden keine Elche gesehen haben, so konnten wir wenigstens in Kiel einen entdecken!
Wieder daheim
04.03.2017 17:00 Uhr
Wir sind zurück und lesen 2054,7 km vom Bordcomputer ab. Das ist die Strecke, die wir mit dem Auto zurückgelegt haben. Dazu kommen noch die Überfahrten mit den Fähren.
Von Nordstrand nach Pellworm 15 km hin und 15 km zurück.
Von Fjnshav (Dänemark) nach Bøjden (Dänemark) 17 km.
Von Göteborg (Schweden) nach Kiel 440 km.
Das macht ingesamt 2541,7 Kilometer Freude, Neugier, Tränen, Überraschungen, Genuss, Müdigkeit, Glücksgefühle, Schmerzen, kostbare Erinnerungen, Tankstellenbewertungen, Zweisamkeit,
Lachen, Souvenir-Jagd und ein leeres Portemonnaie (abgelaufene Schuhsohlen nicht inbegriffen).
Und auf der langen Auto-Reise durch Deutschland, Dänemark und Schweden
hatte keiner von uns beiden seinen Führerschein dabei.